Dolmetscher und Technik: die Zukunft des Simultandolmetschens

Das Simultandolmetschen ging von Anfang an mit der Bereitstellung technischer Gerätschaften einher. Diese sollten der wechselseitigen Verständigung dienen, wann immer Gesprächspartner unterschiedlicher Sprachen an einer Konferenz teilnahmen.

Mit dem Aufkommen dieser neuen technischen Hilfsmittel hat sich das Dolmetschen verändert und weiterentwickelt, so dass es in zunehmendem Maße dem steigenden Bedürfnis gerecht werden konnte, Menschen aus der ganzen Welt einander näherzubringen und die Kommunikation zwischen ihnen sicherzustellen.

Allerdings haben die technischen Fortschritte in Fachkreisen auch Spekulationen über die Zukunft des Simultandolmetschens bei Konferenzen ausgelöst: Stellen sie eine Chance oder eher eine große Herausforderung für die Dolmetscher dar?

 

Simultandolmetschen – ein von der Technik abhängiges Metier

Das Simultandolmetschen ist als die jüngste Form des Dolmetschens seit seiner Geburtsstunde aufs engste an den Einsatz technischer Hilfsmittel gekoppelt, ja mehr noch, es ist auf ihre Verwendung geradezu angewiesen, um angemessene Ergebnisse erzielen zu können.

Erste Versuche mit dem Simultandolmetschen wurden 1925 gemacht, und zwar als Antwort auf das langwierige und umständliche System des Konsekutivdolmetschens bei den politischen Zusammenkünften des Völkerbunds, mussten dabei doch von jeder Rede erst Notizen aufgezeichnet werden, um sie anschließend in übersetzter Form wiederzugeben.

Die vom amerikanischen Geschäftsmann Edward Filene angeregte Form des Simultandolmetschens sah die Entwicklung einer mit Mikrophonen ausgestatteten Anlage vor, die mittels eines Verstärkers mit den Kopfhörern der Teilnehmer verbunden war.

Diese Idee fiel nicht auf taube Ohren, so dass das neue System mit wachsendem Erfolg zunächst beim Völkerbund, dann bei der Organisation der Vereinten Nationen, vor allem aber bei den Nürnberger Prozessen im Anschluss an den 2. Weltkrieg zum Einsatz kam.

In der Anfangszeit waren die hierbei eingesetzten Dolmetscher jedoch noch nicht in einer Kabine eingeschlossen, vielmehr saßen sie in Dreiergruppen hinter einer Glaswand ohne jegliche Schallisolierung und verfügten lediglich über Mikrophone und Kopfhörer von schlechter Qualität.

Ohne dafür ausgebildet worden zu sein und mit einem Material ausgestattet, das sich eigentlich noch in der Testphase befand, mussten sich die Dolmetscher notgedrungen mit dieser Innovation abfinden. Die technologischen Hilfsmittel wurden ihnen also förmlich aufgezwungen, letzten Endes ermöglichten sie ihnen aber ein effizienteres Arbeiten, so dass das Konsekutivdolmetschen durch das neue System schon bald fast vollständig abgelöst wurde.

Die natürliche Entwicklung in jenen Tagen, als das Simultandolmetschen bei Konferenzen noch in den Kinderschuhen steckte, bestand darin, die Dolmetscher in einem von den Gesprächspartnern abgetrennten Raum unterzubringen, so dass die Verdolmetschung abseits der eigentlichen Konferenzdebatten erfolgte.

Diese Form des Teledolmetschens setzte sich vor allem ab der Jahrtausendwende immer stärker durch, was durch die Einführung einer verbesserten Übertragung von Ton und Bild, oft aber auch durch räumliche Engpässe bedingt war, die durch die Unterbringung der Dolmetscher in anderen Sälen gelöst werden konnten.

 

Gegenwart und Zukunft des Konferenzdolmetschens

Heute ist das Simultandolmetschen bei Konferenzen überhaupt nicht mehr mit der Realität in den ersten Jahrzehnten zu vergleichen, auch wenn nach wie vor in schalldichten Kabinen gearbeitet wird, deren technische Ausstattung im Wesentlichen aus einer Audioverbindung mit Mikrofonen und Kopfhörern besteht.

Im Verlauf der fast hundertjährigen Geschichte des Simultandolmetschens haben es die Dolmetscher gelernt, sich bei der Verrichtung ihrer Arbeit auf innovative Technologien einzustellen und sich sogar neue Möglichkeiten wie die des Teledolmetschens zu erschließen.

Natürlich ist es auch gängige Praxis, zur Vorbereitung eines Einsatzes als Konferenzdolmetscher das Internet zu nutzen, sei es um Sprachkenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen oder um Lexika und andere terminologische Quellen online abzurufen.

Über Tablets oder Smartphones, beide leicht zu transportieren und leise zu bedienen, erhält der Dolmetscher Zugang zu Notizen- und Terminologie-Apps, die für das Dolmetschen bei sehr spezifischen Sachgebieten mit schwierigem Vokabular äußerst nützlich sein können.

Technische Hilfsmittel können beim Simultandolmetschen auch eingesetzt werden, um räumliche Barrieren zu überwinden, falls sich der Dolmetscher und die Gesprächspartner, für die er im Einsatz ist, nicht am selben Ort befinden. Über das Internet lässt sich ja leicht eine Video- und Audioverbindung für das Dolmetschen herstellen.

Das ist dann Teledolmetschen auf höherem Niveau, wenn sich der Dolmetscher gar nicht mehr an den Ort des Geschehens zu begeben braucht – was Geld und Zeit spart – und seine Arbeit in Form einer Videokonferenz verrichtet, ganz so, als würde er sich im selben Raum befinden.

Diese Methode kommt häufig bei selteneren Sprachen zum Einsatz, bisweilen aber auch in Krankenhäusern, wenn Patienten der Landessprache nicht mächtig sind, oder sogar vor Gericht, wenn gegen Beschuldigte aus dem Ausland verhandelt wird.

Mittlerweile wurden noch innovativere Systeme des Teledolmetschens entwickelt, so etwa Softwareprogramme für das Videodolmetschen oder für Online-Meetings und Telefonkonferenzen, bei denen sich die Teilnehmer über entsprechende Geräte vernetzen und die gewünschte Sprache auswählen können.

Alle Teilnehmer können dann miteinander kommunizieren, da sie in ihrer eigenen Sprache Zugang zu den Beiträgen ihrer Gesprächspartner erhalten, ohne dass es hierzu einer zusätzlichen Hardware oder der Mitwirkung eines Dolmetschers bedarf. Vielmehr werden diese innovativen Systeme allein durch eine für das maschinelle Dolmetschen entwickelte Software unterstützt.

Das maschinelle Dolmetschen basiert auf vorab übersetzten Begriffen und auf einem Datenpool, der fortwährend erweitert und verbessert wird. Es werden also zwei Technologien miteinander kombiniert: die der maschinellen Übersetzung und die der automatischen Spracherkennung.

Das Programm fängt die menschliche Stimme ein, wandelt den Redebeitrag in einen Text um, übersetzt diesen und gibt den Inhalt mittels einer elektronischen Stimme in der Zielsprache wieder.

Es werden immer mehr solcher Softwareprogramme für das maschinelle Dolmetschen entwickelt, die dem Simultandolmetschen bei Konferenzen, was die Schnelligkeit und die Zuverlässigkeit der Ergebnisse betrifft, immer näher kommen.

Trotz der qualitativen Einschränkungen, mit denen sie noch behaftet sind, betrachten die Dolmetscher diese neuen Technologien als eine Chance und als eine Herausforderung, die es anzunehmen gilt, da sie für die Zukunft ein höheres Maß an Automatisierung versprechen.

Quellen: AIIC und AIIC

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