Kleiner Leitfaden für die Qualität von Übersetzungen – Teil II

Im ersten Teil unseres kleinen Leitfadens haben wir auf die Bedeutung einer durchgehenden Qualitätskontrolle beim Übersetzen hingewiesen und dargelegt, wie wichtig es ist, den Begriff „Qualität“ erst einmal genauer zu definieren und ein gutes Arbeitsteam für größere Projekte zusammenzustellen.

Im zweiten Teil unseres Leitfadens gehen wir auf Prioritäten, Verfahrensabläufe und die Unverzichtbarkeit eines Qualitätskontrollsystems ein.

 

  1. Fristen, Ziele, Prioritäten

Bevor man eine Übersetzung oder Lokalisierung in Angriff nimmt, müssen erst die folgenden Fragen geklärt werden:

 

  • Wie komplex ist das fragliche Projekt? Handelt es sich um ein isoliertes Dokument wie etwa ein Handbuch oder einen Vertrag, oder geht es darum, den Auftritt eines großen Online-Shops für verschiedene Länder zu lokalisieren?

 

  • Welche Abgabefrist muss eingehalten werden? Der Dringlichkeitsgrad ist von grundlegender Bedeutung für die Preiskalkulation und um abschätzen zu können, ob die Arbeit von einer Einzelperson bzw. einem kleinen Team erledigt werden kann oder ob ein größeres Team benötigt wird.

 

  • Welches Budget ist verfügbar? Auch von diesem Faktor hängt es ab, wie groß das Team aus Übersetzern und Korrekturlesern sein soll, wie schnell die Arbeit fertiggestellt werden kann und welches die Dokumente bzw. Inhalte sind, auf die besonders geachtet werden muss.

 

Die Antworten auf die oben gestellten Fragen sind ausschlaggebend für die Abgabefrist, die Wirtschaftlichkeit des Projekts und bisweilen sogar für das Ausmaß, in dem Qualitätskriterien erfüllt werden können.

 

 

  1. Das Verfahren

Dies ist ein möglicher Arbeitsablaufplan (Workflow) für ein Vorgehen, das sich nach Qualitätsparametern richtet.

 

4.1 – Der Projektmanager (PM) übergibt die Arbeit den Übersetzern.

4.2 – Die Übersetzer führen die Arbeit fristgerecht aus, halten dabei die korrekte Terminologie ein, richten sich gegebenenfalls nach speziellen Anweisungen und unterziehen den Text am Ende einer ersten Korrekturlesung.

4.3 – Das Ergebnis dieser Arbeit wird den Korrekturlesern übergeben, die mit einer zweiten Phase der Textprüfung beginnen.

4.4 – Bei Marketingprojekten, bei denen es um Werbung oder die Lokalisierung von Produkten und Dienstleistungen geht, muss der Redakteur sicherstellen, dass die Inhalte gut an das Zielpublikum angepasst sind.

4.5 – Die für das Desktop Publishing (DTP – Erstellung und Gestaltung druckreifer Vorlagen) zuständigen Mitarbeiter haben dafür zu sorgen, dass die Inhalte in dem vom Kunden gewünschten Format geliefert werden.

4.6 – Das Endprodukt wird einer abschließenden Korrekturlesung unterzogen.

4.7 – Der Projektmanager sendet die Arbeit dem Kunden zu.

4.8 – Der Kunde prüft seinerseits das Endprodukt und erhält so die Möglichkeit, Änderungswünsche vorzubringen. Mit besagten Änderungen endet der gesamte Verfahrensablauf, bis der Kunde schließlich seine Zustimmung erteilt.

 

Ein gewisses Maß an Flexibilität sollte stets gewahrt bleiben. Der oben skizzierte Workflow kann je nach den Gegebenheiten des Übersetzungsbüros und des beauftragten Teams variieren und hängt auch stark von der Art des Projekts und von den besonderen Ansprüchen des Kunden ab. Richten Sie sich also darauf ein, den Arbeitsplan zu ändern und im Falle hochtechnischer Projekte, bei denen externe Berater konsultiert werden müssen, eventuell weitere Phasen einzuplanen. Bei einfacheren Aufträgen (wenn nur wenige Dokumente zu übersetzen sind oder wenn der Kunde über ein eigenes Redaktionsteam verfügt usw.) kann der Ablauf abgekürzt werden, doch sollten diejenigen Phasen, die für die Qualität wesentlich sind, niemals vernachlässigt werden, was beispielsweise für das Korrekturlesen (4.3) gilt.

 

  1. Effizienz wahren

 

Um einen reibungslosen Ablauf des Verfahrens zu gewährleisten, wird ein kohärentes Qualitätskontrollsystem benötigt.

 

  • Der Leiter des jeweiligen Projekts kann sich das Leben leichter machen, wenn er Lösungen für die Abwicklung von Übersetzungsaufträgen nutzt, die bei der Planung der Arbeitsabläufe und bei der Koordinierung des Teams helfen.
  • Die Qualität der Übersetzungen hängt stark von den verwendeten Tools ab. Das gesamte Team sollte Zugang zu Textverarbeitungs- und (CAT-)Software haben. Es ist jedoch wichtig, dass alle Teammitglieder die gleichen CAT-Tools verwenden.Verwendet nämlich jeder Übersetzer und Korrekturleser eine andere Anwendung, so sind Fehler und Inkohärenzen am Ende unvermeidlich. Bei Großprojekten, bei denen viele Sprachen bedient werden müssen, kann die Vielzahl an Problemen gar astronomische Dimensionen erreichen!
  • Die meisten professionellen CAT-Anwendungen beinhalten auch Tools für die Qualitätssicherung (QS), was bedeutet, dass diese Programme nicht nur grammatikalische und orthographische Fehler erkennen, sondern auch automatisch die Konsistenz von Texten, die Stimmigkeit der Terminologie und andere Elemente prüfen, die bisweilen der Aufmerksamkeit der Übersetzer entgehen.

Halten Sie Kontakt zum Team. Dies ist insbesondere dann von unschätzbarem Wert, wenn sich mehrere Mitglieder eines Teams aus unterschiedlichen Gründen im Homeoffice befinden, sei es wegen einer Pandemie, weil sie als freie Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, weil sie einem internationalen Team angehören usw. Videokonferenzen und Zoom-Sitzungen sind da zwar nützlich, können aber auch ein Gefühl von Distanz und des Auseinanderdriftens hervorrufen. Sprechen Sie also mit Ihren Kollegen, am besten jeden Tag!

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